"Was tut man in Troyes? - Man läutet die Glocken“, so der Volksmund, denn diese Stadt zählte einst viele Kirchen, Klöster, Abteien und andere Sakralbauten

(Über die Öffnungszeiten der Kirchen können Sie sich auf dieser Website oder beim Fremdenverkehrsamt informieren.)
 
 
Restaurierung der Sakralbauten.

Seit Jahrzehnten bringt die Stadt jedes Jahr Millionenbeträge auf, um ihre unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, insbesondere die Sakralbauten, zu restaurieren, denn diese sind ebenso wertvoll wie gefährdet. Zum einen, weil dem kreidehaltigen Baumaterial der Wechsel zwischen Trockenheit und Feuchtigkeit schlecht bekommt, und zum andern, weil das Absinken des Grundwasserspiegels sich verheerend auf die Fundamente auswirkt.

Die Kunst des Kirchenfensterbaus und das "Erbe der Glaskunst"

Die Kirchenfenster sind ein wertvolles Erbe, was die Kunsthandwerker des Mittelalters der Hauptstadt der Grafschaft Champagne hinterlassen haben. Diese Kunst erreichte ihren Höhepunkt im 13. Jh.. Die Meister des Kirchenfensterbaus schlossen sich eng an die Zunft der Kirchenbauer an, und die berühmtesten von ihnen gründeten im 16. Jh. in Troyes eigene Schulen.

Der letzte namhafte Glasfensterbauer war Linard Gontier (Anfang des 17. Jhs.), bevor die großen Meister des 19. Jhs. diese Kunst wieder aufleben ließen. Das „Erbe der Glaskunst“ wird in unserer Stadt dauerhaft gepflegt.

Obwohl in technischer Hinsicht bedeutende Fortschritte gemacht wurden (Blei und Schweißmaterial von besserer Qualität, Erweiterung der Farbpalette von etwa 10 auf fast 3.000 Farbtöne), ist die traditionelle Arbeitsweise dieselbe geblieben.

Troyes ist ein regelrechtes Versuchslabor „in situ“ zur Bewahrung und Restauration der alten Kirchenfenster: Zu diesem Zweck sind bestimmte Fenster der Kathedrale sind mit Schutzsystemen versehen worden, die per Computer analysiert werden.

Mit seinen 9.000 m2 Glasfenstern aus dem 13. bis zum 19. Jh. hat das Departement Aube den umfangreichsten Bestand an Kirchenfenstern von ganz Frankreich aufzuweisen. Daher wird Troyes von Kennern als "die Heilige Stadt der Kirchenfenster“ bezeichnet”.

 
KATHEDRALE SAINT-PIERRE SAINT-PAUL (13. -17. Jh.)
Place Saint Pierre

Länge 114 m, Breite 50 m, Gewölbehöhe 28,50 m
Charakteristisch für den gotischen Baustil
.
Die in der Zeit vom 13. - 19. Jh. entstandenen Glasfenster stellen mit einer Fläche von 1.500 m2 ein fantastisches Bilderwerk dar. Die Fassade mit ihren drei Portalen im hochgotischen Stil ist das Werk des Meisters Martin Chambiges.

Der Turm von Saint-Paul ist nach 1545 unvollendet geblieben. Das Gitter der Chorschranke wurde im 19. Jh. entfernt und ist seither der Eingang zu einem der Säle des Metropolitan Museums in New-York.

Der sehenswerte Kirchenschatz besteht aus dem Reliquienschrein des Heiligen Bernhard von Clairvaux, einer herrlichen, mit 53 Medaillons bestickten, roten Seidendecke für liturgische Zwecke aus dem 13. Jh. und einer schönen Sammlung von Emailarbeiten, die aus dem Rhein-Maas-Gebiet sowie aus Limoge stammen (12. - 13. Jh.).

Gegenüber der Kathedrale liegt der Cellier Saint-Pierre, der ehemalige Keller der Domherren, die hier ihren Wein und ihr Getreide einlagerten. Das Gebälk stammt aus dem 13. Jh. und soll damit das älteste in ganz Frankreich sein, das in einem Zivilbau zu finden ist.



BASILIKA SAINT-URBAIN (13. Jh.)
Place Vernier

Diese Kirche war 1645 Sitz der Maler-, Glasfensterbauer- und Stickerinnung. Die nach Urban IV. benannte Straße hieß nacheinander Rue Pipejai (Name eines hier ansässigen Papageienhandels), Rue de la Bourserie (hier wurden Geldbörsen aus Ziegenleder und aus Goldfäden gewirkte Geldbeutel hergestellt) und Rue Moyenne (nach dem Vicus Medicus, der die Stadt 1260 in 2 Teile teilte).

Die Kathedrale wurde 1964 zur Basilika geweiht. Sie ist ein Kleinod der gotischen Baukunst und mit der Sainte Chapelle in Paris und der Kirche Saint-Ouen in Rouen vergleichbar.

Der Kirchenbau wurde von Jacques Pantaléon veranlasst, der 1185 in Troyes geboren und 1261 zum Papst URBAN IV. gewählt wurde: Er ließ sie an der Stelle errichtet, wo früher die Schusterwerkstatt seines Vaters gestanden hatte. Urban IV. führte das Kirchenfest Fronleichnam ein.

Die Reliquien Urbans wurden aus Peruggia (Italien) heimgeholt und fanden 1935 im Chor der Kathedrale ihren Platz. Zwar erfolgte der Bau der Kathedrale von 1262 bis 1286 in einem Zug, aber bis das Gewölbe des Kirchenschiffs aus Stein fertig gestellt wurde, mussten noch 6 Jahrhunderte vergehen.

Unbedingt sehenswert: das Tympanon des Hauptportals (13. Jh.) mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts; die Wasserspeier, ein Meisterwerk der realistischen Tierdarstellung. In der Kapelle auf der Südseite eine wunderschöne „Jungfrau mit Weintrauben“ (Schule von Troyes, 14. Jh.), deren Kleid ursprünglich in bunten Farben gemalt war. In der Apsis Glasfenster aus dem 13. Jh.



KIRCHE SAINT-PANTALEON (16. – 18. Jh.)
Rue de Vauluisant

Saint-Pantaléon ist heute die Kirche der polnischen Gemeinde von Troyes. Sie wurde gemäß der Tradition an der Stelle einer Synagoge errichtet. Sie ist ein regelrechtes Museum der Bildhauerkunst des 16. Jhs. aus der Schule von Troyes, denn hier wurden die Statuen untergebracht, die vor der Revolution gerettet werden sollten.

Einige stammen von Dominique le Florentin, einem troyeser Künstler, der am Hof von François I. wirkte.

Unbedingt sehenswert: Die Grisaille-Fenster aus der Mitte des 16. Jhs.

 


KIRCHE SAINTE-MADELEINE
(12 - 16. Jh.)
Rue de la Madeleine

Berühmt wegen ihres Lettners, einem Wunderwerk aus „Stein gewordener Spitze“, das Anfang des 16. Jhs. von Jean Guailde geschaffen wurde. Die Legende besagt, dass der Künstler darunter begraben liegt.

Der Grabinschrift zufolge erwartet er gelassen seine Auferstehung , und zwar ohne Angst, von seinem Werk zermalmt zu werden. Die Holzschranke, die sich unter dem Lettner befand, ist jetzt im Musée de Vauluisant ausgestellt.

Unbedingt sehenswert: die Statue der Heiligen Martha - charakteristisch für die troyeser Kunst des 15. Jhs. -, die aus der Werkstatt des „Meisters der traurigen Gesichter“ stammen soll; Glasfenster der Ecole champenoise des 16. Jhs. (Schöpfungsgeschichte; der Baum Jesse).

 


KIRCHE SAINT-REMY (14. - 16. Jh.)
Place Saint-Rémy – Hallenviertel
(Fußgängerbereich)


Bei den 1986 um den Platz Saint-Rémy herum durchgeführten Ausgrabungen sind Knochenreste und über 700 Gegenstände des täglichen Lebens aus dem 12. Jh. sowie gallo-römische Überreste und die Anlage eines Friedhofs zutage gefördert worden.

Originell an dieser Kirche ist ihr 60 m hoher, „gedrehter“ Glockenturm. Merkwürdigerweise wurde diese Kirche praktisch ohne Fundamente, direkt auf dem Boden errichtet.

Unbedingt sehenswert: Die Flachreliefs aus weißem Marmor und der Bronze-Christus von François Girardon. Gemälde von Jacques de Létin (troyeser Maler, 17. Jh.)

 


KIRCHE SAINT-NICOLAS (16. Jh.)
Bd Victor Hugo - rue Huguier Truelle

Früher war diese Kirche in die befestigte Stadtmauer integriert und besaß daher kein Westportal. Nach deren Abtragung im 19. Jh. sind zwei Durchbrüche geschaffen und mit Portalen versehen worden.

Unbedingt sehenswert: Im Kirchenraum befindet sich eine ungewöhnliche Empore mit der „Chapelle du Calvaire“, zu der man über eine monumentale Treppe gelangt. Am Südportal, Rue H. Truelle, stehen die Statuen von David und Jesaja. Es sind die einzigen, die mit Sicherheit dem troyeser Bildhauer François Gentil zugeschrieben werden können.

 

KIRCHE SAINT-JEAN-AU-MARCHÉ (13. - 16. Jh.)
Rue Mignard - Place du Marché au Pain
(Fußgängerbereich)


Mitten in dem Viertel, wo im Mittelalter die großen Champagnermärkte abgehalten wurden, fand am 2. Juni 1420 die Hochzeit Heinrichs V. von England mit Katharina von Frankreich statt. Am 17. April 1620 feierte man hier die Taufe der später heilig gesprochenen Marguerite Bourgeoys.

Unbedingt sehenswert: Tabernakel des Hauptaltars von François Girardon (1693); darüber das Gemälde „Die Taufe Christi“ von Pierre Mignard (1667).

 


KIRCHE SAINT-NIZIER (16. Jh.)

Place Saint-Nizier - hinter der Kathedrale

Dieser lauschige Platz mit seiner Fontaine und seinem Brunnen, den Bronzeabgüssen von Werken der Bildhauer aus Troyes und dem Gebiet Aube (Dubois, Boucher und Simart) lädt zum Verweilen ein.

Sehenswerte Kirche im Stil der Gotik und der Renaissance (1522 - 1619); das dreieckige Tympanon des Hauptportals ist mit dem Wappen Karls IX. verziert.

Unbedingt sehenswert: die bunt glasierten Ziegel der Dächer, die "Grablegung“ und "Pietà“ aus dem 16. Jh., Glasfenster aus dem 16. Jh.

 

 

 


KIRCHE SAINT-MARTIN-ES-VIGNES (Ende 16. - 17. Jh.)

Rue de la Reine Blanche

Saint Martin war bis 1856 ein eigenständiges Dorf außerhalb von Troyes. Auf dem Hauptportal ist das Wappen von Heinrich von Montmorency-Luxemburg, Abt von Montiéramey, Lehnsherr von Saint Martin, zu sehen.

Unbedingt sehenswert: die bemerkenswerten Glasfenster aus dem 17. Jh. von Meister Linard Gontier, einem Sohn der Stadt.

 

KIRCHE NOTREDAME-DES-TREVOIS (20. Jh.)
bd Jules Guesde 97


Dieser 1931 – 1934 von Dom Bellot, Mönch und Baumeister (1876 – 1944), errichtete Kirchenbau ist das erste Bauwerk des 20. Jhs., das unter Denkmalschutz gestellt wurde. Er entwarf die Pläne für 15 weitere Sakralbauten in der ganzen Welt, davon 7 in Frankreich.

Diesem „Backstein-Poeten“ ist es gelungen, Backstein und Mosaik im byzantinischen Stil mit spanisch-maurischer Farbgebung harmonisch zu verbinden.