Troyes: Geschichte der Hauptstadt der Maschenmode

 
Bereits im 12. Jh. war Troyes für seine Textilherstellung (Weberei) bekannt, aber die eigentliche Geschichte der Wirkwaren (frz.: Bonneterie = Herstellung von Mützen und Strümpfen aus gestrickter Baumwolle) beginnt eigentlich erst im Stadtpalais des königlichen Steuerinspektors Jean de Mauroy, denn hier wurde das Hospiz der Dreieinigkeit gründet, um arme Kinder aufzunehmen und ihnen ein Handwerk beizubringen. 

1745 wurden die Kinder hier in der Benutzung neuartiger Apparate zur maschinellen Herstellung von Strümpfen unterwiesen, die auf der Grundlage der Erfindung des Webstuhls durch den Engländer William LEE (bereits im Jahre 1589, aber das Prinzip war immer noch aktuell) entwickelt wurden. Damit wurde die erste Strumpfwirkerei gegründet, die die größte der ganzen Stadt werden sollte; 1770 gab es in Troyes bereits 40 Wirkwarenhersteller. 

Seitdem haben Tüftler aus Troyes und dem Umland Aube die Entwicklung neuer Geräte immer weiter vorangetrieben. DELAROTHIERE erfand 1830 ein maschinelles Stricksystem zum Abnehmen; JACQUIN erfand 1841 den runden Webstuhl und andere (FOUQUET, GILLET, LEBOCEY, PORON, BUXTORF etc.) erdachten und entwickelten weitere neue Maschinen (PAGET, COTTON etc.).

Das Musée de la Bonneterie schätzt sich glücklich, Webstühle zu besitzen, die Meilensteine der technologischen Entwicklung der Wirkwarenindustrie darstellen. 

Parallel und oftmals direkt neben den Konstruktionsbüros entstanden auf die Initiative dynamischer Unternehmer und Ingenieure hin große Textilfabriken, darunter so bekannte Namen wie PORON, GILLIER, VALTON, VITOUX, DEVANLAY-RECOING, GERARD FORTIER, DORE-DORE . 

1914 war im Departement Aube die Hälfte der gesamten französischen Wirkwarenindustrie - sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch nach der Zahl der Beschäftigten - angesiedelt. Ab 1930 ging die Produktion allerdings auf 30% zurück, nachdem aufgrund der industriellen Entwicklung weitere Textilzentren in anderen Landesteilen entstanden waren. 

Als in den 1950er Jahren innovative Garne und synthetische Fasern (insbesondere Nylon) und die nahtlosen Strümpfe aufkamen, die Automatisierung eingeführt wurde, und importierte Billigpreisstrümpfe Konkurrenz machten, verschwanden eine Reihe sehr qualifizierter Berufe (z.B. die Arbeit an Webstühlen und Kettelmaschinen) von der Bildfläche.... 

Heute führen die bekannten „Factory-Outlet-Center“ und die Erzeugnisse, die aufgrund des traditionellen Know-hows in unserem gesamten Departement entstehen, jedes Jahr fast drei Millionen Besucher in unsere Stadt.


Zwei Museen veranschaulichen die Geschichte der Wirkwarenherstellung:

Hôtel du Mauroy (16. Jh.)

Dieses Stadtpalais ließ sich 1560 der königliche Steuerinspektor Jean de Mauroy bauen. Gemäß seinem Testament wurde es in ein Waisenhaus (auch "Dreieinigkeit der Blauen Kinder“ genannt, denn die Kinder waren alle blau gekleidet) umgewandelt, das vom Orden der Frères de la Rédemption de Paris geleitet wurde. Hier wurde 1745 mit der Einführung der ersten Webstühle für Strickstrümpfe die Wirkwarenindustrie aus der Taufe gehoben. Um darin das Maison de l’Outil et de la Pensée Ouvrière (Handwerksmuseum) einzurichten, beauftragte die Stadt Troyes die Handwerkervereinigung Les Compagnons du Devoir du Tour de France mit der Renovierung, die ein voller Erfolg wurde. Derzeit ist in diesem Museum eine absolut einzigartige Sammlung von rund 10.000 historischen Werkzeugen zu sehen, mit denen im 17./18. Jh. Holz, Eisen, Leder und Stein bearbeitetet wurden. Eine Bibliothek mit nahezu 20.000 Bänden zur Arbeiterliteratur ergänzt das Ganze auf Vortrefflichste. 


Hôtel de Vauluisant (16. Jh.)
 
TIn diesem ehemaligen Stadtpalais, das besonders typisch für den regionalen Renaissance-Stil ist, waren ursprünglich die Zisterziensermönche der Abtei von Vauluisant (Yonne) untergebracht. Zwei Museen befinden sich heute darin: 1 - Ein Wirkwarenmuseum, von denen es 2 in Frankreich gibt (die Exponate des Museums in Roanne sind neueren Datums).Hier findet man alles, was mit der Entwicklung der Wirkwaren zu tun hat, von der Antike bis zum 18. Jh., als in Troyes die Strumpfwirkerei einsetzte: mehr als 5.000 Artikel, von denen manche über 300 Jahre alt sind: Strümpfe, Mützen, Hausschuhe uvam; 150 Webstühle und Apparate, die im Aube-Gebiet erfunden, gebaut oder verändert wurden; weiterhin Muster, Patente und Fotografien. 2 - Das Historische Museum der Stadt Troyes und der Region Champagne, das die Stadtentwicklung über Jahrhunderte zurückverfolgt (Trassen, Befestigungsanlagen, Wohnhäuser) und eine schöne Sammlung von Bildhauerarbeiten und Gemälden der Schulen von Troyes (16. Jh.) zeigt: interessant und ausgefallen.